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Weitwinkelobjektive

Wie der Name bereits andeutet, erfassen Weitwinkelobjektive einen sehr großen Bildausschnitt. Darüber hinaus bieten sie viele weitere Vorteile und zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten.

Die Tatsache, dass Kompaktkameras ("Digicams") und Bridgekameras mit unbestreitbar nützlichen immer stärkeren Zooms im Telebereich beworben werden, täuscht oft über die Tatsache hinweg, dass Weitwinkelobjektive insgesamt die wohl am häufigsten benötigten Objektive sind. Man wird immer wieder damit konfrontiert, dass einfach "zu wenig aufs Bild passt". Dieser Artikel beschreibt die verschiedenen Typen von Weitwinkelobjektiven und ihre Anwendungen.

Die angegebenen Brennweiten beziehen sich auf das Kleinbild-Äquivalent, sofern es nicht ausdrücklich anders angegeben ist.

Dieser Artikel gilt sowohl für Kameras mit Wechseloptik als auch für Bridgekameras und Digicams. Man kann bei den letzten beiden Kameratypen jedoch systembedingt die Brennweiten nicht exakt einstellen. Einige Bridgekameras haben auf dem Zoom-Objektiv Brennweitenangaben, meistens als Kleinbild-Äquivalent.

Weitwinkel-Effekte

Perspektivische Dehnung und Tiefenwirkung

Mit einem Weitwinkelobjektiv erscheinen entfernte Objekte weiter entfernt als mit dem bloßen Auge. Dieser Effekt wird umso stärker, je kürzer die Brennweite des Objektivs ausfällt und wird perspektivische Dehnung genannt. Abhängig vom Motiv kann dies ein Vor- oder Nachteil sein.

Bei Landschaftsaufnahmen führt diese Dehnung zu einer gesteigerten Tiefenwirkung, die das Bild eindrucksvoller erscheinen lässt. Umgekehrt führt es zu unansehnlichen Verzerrungen, wenn eine Person aus großer Nähe fotografiert wird: Bei Gesamtansichten sitzender Personen beispielsweise wirkt der Oberkörper weiter entfernt, und bei Portraits erscheint die Nase länger.

Schärfentiefe

Die Schärfentiefe nimmt mit abnehmender Brennweite zu. In Verbindung mit einer mittleren bis starken Abblendung kann man eine durchgehende Schärfe durch das ganze Bildfeld erzielen. Das ist besonders bei Landschaften und Stadtansichten wünschenswert.

Beispiel für hohe Sch&aul;rfentiefe

Große Version: 3,25 MB

Das Foto ist ein Beispiel für eine hohe Schärfentiefe mit einem 24 Millimeter-Weitwinkelobjektiv. Die große Version zeigt die durchgehende Schärfe vom Gebäude im Hintergrund bis zu den Bodenplatten direkt am unteren Bildrand, also direkt vor der Kamera.

Verzeichnungen

Bei starken Weitwinkel-Objektiven fallen die Lichtstrahlen am Bildrand in einem sehr spitzen Winkel auf den Sensor. Das führt zu Verzeichnungen, die sich besonders stark zum Bildrand hin bemerkbar machen. Insbesondere runde Objekte erscheinen ellipsenförmig, wobei die große Achse zur Bildecke hin zeigt. Dieser Effekt ist physikalisch bedingt und kein Konstruktionsfehler, er wird auch "projektive Verzerrung" genannt.

Leichtes Weitwinkel

Dies sind Objektive mit ca. 35 Millimeter Brennweite. Bei ihnen machen sich die Weitwinkel-Effekte noch nicht allzu stark bemerkbar. Aus diesem Grund wird es gern für Schnappschüsse verwendet. Schärfentiefe und perspektivische Dehnung sind geringfügig größer als bei einem Normalobjektiv.

Diese Objektive gelten als Standard für Gruppenbilder und Straßenfotos. Auch für Schnappschüsse sind sie sehr gut geeignet, da sich die Verzeichnungen in Grenzen halten und andererseits eine beachtliche Schärfentiefe erzielt wird.

Beispiel für eine Aufnahme mit leichtem Weitwinkelobjektiv

Das Foto zeigt einen typischen Schnappschuss mit einem leichten Weitwinkelobjektiv. Man erkennt bereits die schwache perspektivische Dehnung, dennoch wirkt der Eindruck insgesamt noch natürlich.

In dieser Objektivklasse bewegen sich auch die meisten Smartphonekameras.

Mittleres Weitwinkel

Mittlere Weitwinkel sind Objektive, die Brennweiten um 28 Millimeter aufweisen. Die perspektivische Dehnung ist hier bereits deutlich erkennbar. Diese Objektive zeichnen sich durch eine sehr hohe Schärfentiefe aus. Es ist das wahrscheinlich am häufigsten benötigte Weitwinkel.

Typische Anwendungsgebiete sind die Landschaftsfotografie und Stadtansichten. In Innenräumen wird ein wesentlich größerer Bildausschnitt erfasst als mit längeren Brennweiten.

Größere Gruppen können mit 28 Millimeter gut fotografiert werden. Hierbei muss jedoch darauf geachtet werden, dass die Personen dicht bei- und hintereinander stehen. Die perspektivische Dehnung ist bereits so stark, dass es ansonsten zu scheinbar großen Abständen kommen kann.

Mit diesen Objektiven kann man mit etwas Übung auch bei mäßigen Lichtverhältnissen noch aus der Hand fotografieren.

Starkes und Superweitwinkel

Diese Objektive haben Brennweiten von 24-22 Millimeter und weniger. Der Übergang vom starken zum Superweitwinkel ist nicht klar definiert, allgemein wird ab 24 Millimeter Brennweite und weniger vom Superweitwinkel gesprochen.

Bei diesen Objektiven macht sich die oben genannte projektive Verzerrung zum Bildrand, insbesondere in Richtung der Bildecken, deutlich bemerkbar. Man sollte bei der Arbeit mit solchen Objektiven ab 24 Millimeter Brennweite und darunter darauf achten, dass sich nach Möglichkeit keine anfälligen Objekte, speziell kreis- oder ellipsenförmige, wie beispielsweise Verkehrsschilder oder Wanduhren, sehr nahe am Bildrand befinden, sofern diese für das Foto von zentraler Bedeutung sind.

Insbesondere Personen sollten sich bei Superweitwinkeln nicht am Rand bzw. den Bildecken aufhalten. Die Verzeichnungen fallen so stark aus, dass Gesichter unvorteilhaft dargestellt werden.

Mit 24 Millimeter Brennweite wird bei Landschaftsaufnahmen eine extreme Tiefenwirkung erzeugt. Jedoch ist nicht jedes Motiv für einen solchen Effekt geeignet. Als Standard für Landschaften gelten die oben erklärten 28 Millimeter Brennweite. Kürzere Brennweiten sind für Landschaften nicht empfehlenswert, sie wirken dann unnatürlich tief.

Objektive mit 24- und ggf. noch 22 Millimeter sind ideale Optiken für Innenraum-Aufnahmen und allgemein in Situationen, bei denen der Fotograf wenig Platz hat, beispielsweise in eng bebauten Straßenzügen.

Beispiel für eine Innenraumaufnahme mit 24 Millimeter-Objektiv.

Das Foto zeigt eine Innenraumaufnahme mit 24 Millimeter Brennweite. Die starke Tiefenwirkung ist offensichtlich.

In 24 Millimeter-Optiken steckt bei der Verwendung von Kameras mit Wechselobjektiven auch ein weiterer, oftmals verkannter Vorteil: Die extreme Schärfentiefe ermöglicht eine Schnappschuss-Funktion ohne scharf stellen zu müssen: Stellt man auf ein zwei Meter entferntes Objekt scharf und blendet auf mindestens Blende acht ab, erstreckt sich die Schärfentiefe von einigen Zentimetern vor der Kamera bis unendlich! Bei schnell bewegten Motiven ist das ein sehr großer Vorteil, da man sich nicht um eine Zeit raubende Scharfstellung kümmern muss.

Noch stärkere Weitwinkelobjektive werden sehr selten benötigt und eignen sich eher für Spezialanwendungen. Objektive für Überwachungszwecke, wie sie beispielsweise in Kaufhäusern zur Überführung von Ladendieben eingesetzt werden, arbeiten oft in diesem Brennweitenbereich.

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