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Teleobjektive

Teleobjektive (oft "Teles" abgekürzt) haben per Definition eine längere Brennweite als die Normalbrennweite. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, entfernte Objekte zu vergrößern. Ein Teleobjektiv ist also gewissermaßen ein Fernrohr für die Kamera. Es gibt zahlreiche Ausführungen und Varianten, die jeweils für bestimmte Anwendungsgebiete prädestiniert sind.

Alle im Text genannten Brennweiten sind Kleinbild-Äquivalent, sofern es nicht ausdrücklich anders angegeben wird.

Dieser Artikel ist sowohl für Kameras mit Wechseloptik als auch für Digicams und Bridgekameras gültig. Man kann bei den letzten beiden Kameratypen jedoch systembedingt die Brennweiten nicht exakt einstellen. Einige Bridgekameras haben auf dem Zoom-Objektiv Angaben zur Brennweite, in der Regel im Kleinbild-Äquivalent. Diese Kameras sind außerdem erheblich weniger Lichtstark, zumindest im Bereich der mittleren und starken Telebrennweiten.

Tele-Effekte

Teleobjektive haben diverse Einflüsse auf das Bild, die sich auf mannigfaltige Weise in die Bildgestaltung einbringen lassen.

Schärfentiefe

Der auch für Laien auffälligste Tele-Effekt ist die Verringerung der Schärfentiefe: Je länger die Brennweite und je lichtstärker das Objektiv ist, umso geringer ist die Schärfentiefe. Der Nachteil besteht darin, dass der Bereich, der auf dem Bild scharf sein soll, wesentlich präziser festgelegt werden muss als mit Normal- und Weitwinkelobjektiven. Umgekehrt lässt sich das Motiv gut vom Hintergrund isolieren, wenn dieser unscharf erscheint ("selektive Schärfe"). Man sagt auch, der Hintergrund wird "in Unschärfe aufgelöst". Bekannte Beispiel sind einzelne Blüten, die scharf vor einem in Unschärfe aufgelösten Blumenfeld stehen.

Beispiel für selektive Schärfe.

Das Foto zeigt ein Beispiel für selektive Scharfeinstellung. Ein Standardzoom wurde auf das Tele-Ende (etwa 90 Millimeter Brennweite) eingestellt und auf die Gerbera scharfgestellt. Durch entsprechende Blendeneinstellung und Entfernungswahl wurde erreicht, dass der Hintergrund der Blume unscharf erscheint.

Perspektivische Verdichtung

Mit Teleobjektiven aufgenommene Fotos erwecken den Eindruck, dass entfernte Objekte dichter beieinander stehen, als es mit dem bloßen Auge erscheint. Dieser Effekt wird perspektivische Verdichtung (auch perspektivische Verkürzung) genannt. Ein anschauliches Beispiel ist, dass bei Landschaftsaufnahmen der Horizont näher erscheint als mit dem freien Auge.

Dieser Effekt ermöglicht eine Vielzahl kreativer Anwendungen. Beispielsweise erscheint ein schräg von vorn aufgenommener PKW kürzer und wuchtiger, wenn man ein mittleres Teleobjektiv aus größer Entfernung verwendet.

Beispiel für perspektivische Verdichtung.

Das Foto zeigt ein Beispiel für perspektivische Verdichtung. Die Kamera mit 135 Millimeter Brennweite wurde unter dem Turm steil nach oben gehalten. Er erscheint deshalb wuchtiger und weniger hoch, als wenn man aus der gleichen Position mit dem bloßen Auge nach oben blickt.

Leichte Teleobjektive

Leichte Teleobjektive haben Brennweiten bis etwa 100 Millimeter. Sie werden oft "Portraitobjektive" genannt, da sie schwerpunktmäßig für Portraitaufnahmen eingesetzt werden. Diese Objektive sind sehr kompakt und lichtstark. Es sind Anfangsöffnungen von 1,2 erhältlich.

Teles mit geringer Brennweite haben oft eine integrierte Makro-Funktion, und einige 100 Millimeter-Modelle werden direkt mit der Bezeichnung "Makro" im Produktnamen angeboten. Mit diesen Objektiven kann man besonders dicht an das Motiv heran gehen, um kleine Objekte, beispielsweise Pflanzen oder Insekten, groß abbilden zu können.

Mittlere Teleobjektive

Diese Objektive haben Brennweiten von 135 bis 300 Millimeter. Sie werden im Gegensatz zu den Portraitobjektiven für eine möglichst große Aufnahme entfernterer Objekte verwendet. Dieser Brennweitenbereich deckt die am häufigsten verwendeten Telebrennweiten ab. Mit Teleobjektiven bis ca. 200 Millimeter kommt man bei guten Lichtverhältnissen noch ohne Stativ aus.

Brennweiten über 135 Millimeter führen bei Portraits zu einer Verflachung von Gesichtszügen.

Teleobjetive mit Brennweiten um 200 Millimeter sind die vielseitigsten Objektive ihrer Klasse. Sie bieten bereits eine vernünftige Vergrößerung und sind mit knapp 20 Zentimeter Baulänge noch relativ handlich. Mit Anfangsöffnungen von 2,8 sind sie bereits sehr lichtstark und noch vergleichsweise preiswert zu haben.

300 Millimeter-Teleobjektiv

Teleobjektiv mit 300 Millimeter Brennweite, manueller Scharfeinstellung und Sonnenblende.

Superteleobjektive

Teleobjektive mit Brennweiten ab 300 Millimeter werden als Superteleobjektive bezeichnet. Typische Anwendungen sind die Sport-, Tier- und Reportagefotografie. Auch im Zoo benötigt man für formatfüllende Tieraufnahmen solche Brennweiten häufiger, als man denkt.

Während man sehr lichtstarke 300 Millimeter-Teles (Lichtstärke 2,8) eben noch aus der Hand halten kann, sind bei über 300 Millimeter Brennweite Freihandaufnahmen ohne Stativ oder Bildstabilisator nahezu unmöglich. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass ein 500 Millimeter-Objektiv, wie es viele moderne Digitalkameras bieten, gegenüber der Normalbrennweite einer zehnfachen Fernglasvergrößerung entspricht! Ein guter Bildstabilisator ermöglicht zwar bei guten Lichtverhältnissen noch Freihandaufnahmen, dennoch empfiehlt sich hierbei ein Stativ oder zumindest das Abstützen des Ellenbogens.

In der Alltagsfotografie wird man jedoch selten Brennweiten über 300 Millimeter benötigen. Ausnahmen sind beispielsweise Zootiere, Gebäudedetails oder Sonnenuntergänge.

Mit langen Telebrennweiten lassen sich auch einzelne Personen aus größerer Distanz fotografieren. Sie wirken meist ungezwungener und natürlicher, wenn sie nicht merken, dass sie fotografiert werden. Gute Aufnahmen von Prominenten aus größerer Entfernung sind überhaupt erst mit solchen Telebrennweiten vernünftig möglich.

Beachten Sie hierbei aber unbedingt die Persönlichkeitsrechte und das Recht am eigenen Bild! Personen, die nicht zu "Personen des öffentlichen Lebens" gehören, müssen grundsätzlich ihre Einwilligung zur Veröffentlichung der Fotos geben, wenn sie eindeutig identifizierbar sind. Ausgenommen sind Übersichtsaufnahmen, auf denen zahlreiche Menschen klein abgebildet sind.

Fernobjektive

Im Prinzip handelt es sich um langbrennweitige Superteleobjektive. Der Name wurde ursprünglich von Zeiss für Objektive geprägt, deren Brennweite mehr als dem Zehnfachen der Normalbrennweite entspricht. Wir reden hierbei von Brennweiten von 600 bis 1200 Millimeter und mehr.

Fertnobjektiv mit 650 Millimeter Brennweite

Die Abbildung zeigt ein Superteleobjektiv mit 650 Millimeter Brennweite und der konstanten Blende 8. Hochwertige Objektive dieser Brennweitenklasse haben Autofokus und eine Lichtstärke von 1:4 bis 1:5,6 und somit den doppelten Frontlinsendurchmesser.

Bei Bridgekameras (Megazoom-Kameras) sind solche und längere Brennweiten längst Standard. Bei Spiegelreflexkameras sind lichtstarke, festbrennweitige Fernobjektive Standardausrüstung in der Sport-, Presse- und Tierfotografie. Für diese Motivklassen werden lichtstarke Objektive mit Anfangsöffnungen von 5,6, besser 4,0, benötigt. Kaum eine Bridgekamera bietet solche Lichtstärken. Ist man bereit, ein verstärktes Bildrauschen in Kauf zu nehmen, kann man hier mit den verfügbaren hohen ISO-Empfindlichkeiten bis zu einem gewissen Grad gegensteuern. Bridgekameras sind jedoch meistens im Bereich der Supertelebrennweiten unabhängig von der Lichtstärke für die meisten dieser Motive zu reaktionsträge, sieht man ggf. von Zootieren ab. Bleibt also die Frage nach dem Zweck dieser enormen Brennweiten.

Bridgekameras werden aufgrund ihrer Kompaktheit nicht ganz zu Unrecht oft als Reisekameras beworben: Trotz des großen Brennweitenbereichs haben sie etwa die Größe einer Spiegelreflexkamera mit angesetztem Standard-Zoom. Auf Reisen bieten sich etliche Anwendungsmöglichkeiten für solche Brennweiten.

Ein Klassiker sind langbrennweitige Sonnenuntergänge. Mit 1200 Millimeter Brennweite nehmen Sonne und Mond im Querformat etwa die halbe Bildhöhe ein, bei 600 Millimeter immerhin ein Viertel. Ich kann Ihnen aus langjähriger Erfahrung versichern: Ein scharfes und korrekt belichtetes Sonnenuntergangs- oder Mondbild mit einem solchen Objektiv ist das "Oh!" und "Ah!" jeder Foto-Präsentation!

Gerade auf Reisen stößt man immer wieder auf interessante Motivdetails, die ohne lange Brennweiten einfach nicht sinnvoll erreichbar sind. Interessante Gebäudedetails oder entfernte Sehenswürdigkeiten sind nur wenige, populäre Beispiele.

Spiegelteleobjektive

Bei Kameras mit Wechseloptik stellen Spiegelobjektive eine interessante Alternative zu den unhandlichen und teuren herkömmlichen Linsenteleobjektiven dar. Es gibt sie mit Brennweiten von 300 bis 2000 Millimeter.

Spiegelteleobjektive bestehen aus einem Hauptspiegel, der das Licht auf einen Fangspiegel reflektiert. Dieser wiederum reflektiert das eingefangene Licht auf den Bildsensor. An der vorderen und hinteren Öffnung befindet sich eine Korrekturlinse, die das Bildfeld ebnet und weitere Abbildungsfehler reduziert. Diese Objektive sind überaus handlich und kompakt: Ein 500 Millimeter-Spiegeltele ist beispielsweise kaum größer als eine Kaffeetasse.

Spiegelobjektiv mit 1000 Millimeter Brennweite und Lichtstärke 10.

Das Foto zeigt ein Spiegelteleobjektiv nach Maksutov-Cassegrain mit 1000 Millimeter Brennweite und der konstanten Blende 10. Der Durchmesser der Frontlinse beträgt zehn Zentimeter. Diese "Russentonnen" werden primär in der Astrofotografie eingesetzt, gelten wegen ihrer Kompaktheit und exzellenten Bildqualität aber auch bei Naturfotografen als Geheimtipp.

Diesen Vorteilen steht als Hauptnachteil die geringe Lichtstärke gegenüber. Sie beträgt oft nur Blende acht, mitunter 6,3 bis 5,6. Zudem lassen sie sich nicht abblenden. Bewegte Objekte sind somit nur schwer fotografierbar, es sei denn, man verwendet hohe ISO-Empfindlichkeiten.

Die Bildqualität hängt von der optischen Konstruktion ab. Solche nach Maksutov-Cassegrain bieten eine Bildschärfe, die es durchaus mit Linsensystemen aufnehmen kann. Andere, preiswerte Objektive haben oft einen leichten Weichzeichner-Effekt.

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